Geschichte des Kalkabbaus um Bahretal

Jahr
1388 Erste Erwähnung von Borna. Erster Nachweis von Kalksteinlieferung nach Dresden.
1417 Der Ort Nentmannsdorf wird erstmals urkundlich erwähnt
1539 Brechen und Brennen von Kalkstein in Grubenöfen und Kalkschnellern vorwiegend zum Eigenbedarf, aber auch zum Verkauf. Der Transport erfolgte mit Pferdefuhrwagen über die Kalkstraße (Laurich) nach Pirna und dann weiter mit Schiffen über die Elbe.
1551 Kalkabbau in Borna "Miete vom Kalkberge zu Borne steht dem dortigen Pfarre zu". (gemä&szuml; 3. Stadtbuch von Liebstadt)
1586 Im Lehnbrief von Hans von Lindenaw zu Ottendorf wird der "Kalckbergk bey Nentmannsdorf" erwähnt.
1713 Herstellung von Kalksteinplatten für die Hofkirche zu Dresden.
1732 Schon 1732 wird auf dem Jentzschen Gut zu Borna Kalk gebrannt.(4)
1792 Der Kalkstein dieses Lagers ist von verschiedener Güte, so daß es welchen gegeben hat, der als Marmor benutz und für das "churfürstliche Begräbniß in Freyberg" geliefert wurde. Der Kalkstein wird durch Steinbruchsbau abgebaut und mit zweymannischem Bohren und Schießen gewonnen, wozu man sich statt der Fäustel, eiserner zylindrischer Schlägel bedient. Er wird auch meist in konischen sehr gut vorgerichteten Steinkohlenöfen gebrannt.(1)
1815 Borna zählte 1815 25 Häuser, 183 Konsumenten, nur 30 Pferde, 30 Ochsen und 70 Kühe; unter den Bewohnern sind 15 Bauern, 1 Gärtner, 4 Häusler, 1 Müller, 1 Schmied und gegen 40 Arbeiter bei den 6 Kalkbrüchen auf 5 der hiesigen Güter; 2 dieser Brüche, und zwar die stärksten, gehören jedesmal dem Diakon zu Liebstadt als Pastor zu Borna. Die hiesige Kirche enthält nicht nur einen Altar, sondern auch einen Taufstein und ein Epitaphion aus demselben Kalkstein gefertigt. Die Bauern düngen stark mit Kalk. Jeder hat seinen eignen kleinen Schneller. Die gebrochenen Steine teilt man nach ihrer Gestalt in Plattensteine und Kaulen ein und verlädt sie meist zu Pirna auf mässsig grosse Kähne. Die in Menge gebrochenen Kalksteine belebten sehr die Elbschiffahrt. In Pirna lebten über 50 Menschen vom Kalkstein- und Sandsteinhandel. Die Steine wurden mit Schiffen bis hinter Magdeburg an Ziegelei- und Kalkofenbetreiber geliefert und dort weiter verarbeitet. (2) Fast alle Häusler der Gemeinde Nentmannsdorf und Friedrichswalde waren Kalkbrecher und arbeiteten in den umliegenden Kalkbrüchen. Während seines Aufenthaltes am 25.4.1813 in Pirna, interessierte sich sogar Goethe für die Kalk- und Sandsteinhandel und machte sich "Allerley Notizen über Kalk, Sand- und Mühlensteine".(3)
1873 Eine "Sächsische Baugesellschaft zu Borna bei Liebstadt" betreibt vier Kalköfen in Borna. Es erfolgt der Bau eines Ringofens am Gasthof Seidewitztal. Das Kalkwerk Nentmannsdorf ist bis 1905 in Besitz der Familie Hauswald.
1900 Um 1900 ist die Kalkproduktion fast völlig zum erliegen gekommen. Grund ist die große Konkurenz aus Böhmen. 1908 arbeiten nur noch 1 Mann im Leuschke-Steinbruch und 2 Mann im Pfarr-Bruch.
1926 >1926 erfolgt die Wiederaufnahme der Kalkproduktion in Gut Nr. 6 durch Paul Uhlig (Köhlersches Gut). Von sieben, schon 1873 vorhandenen Trichterkalköfen, gehen anfangs drei wieder in Betrieb. 1927 wird der erste Ofen (später als "Ofen 5" bezeichnet) auf 22 cbm Inhalt erweitert und mit einem Schornstein versehen. Er wurde kontinuierlich betrieben und im wesentlichen nur zur Herstellung von Branntkalk zum Düngen genutzt.
1928 Paul Friese kauft den Betrieb für 170.000 Reichsmark.
1929 Ofen 1 und 2 werden auf je 35 cbm Inhalt erweitert und ebenfalls mit Schornsteinen versehen. Um 1930 sind wieder 30 Arbeiter im Kalksteinbruch beschäftigt.
1933 Es erfolgt die Erweiterung von Ofen 3 auf 40 cmb Inhalt.
1937 >Ofen 4 wird mit 48 cbm Inhalt neu gebaut.
1940 >Aufbau eines Schachtofens im Seidewitztal und Beginn der Stollenauffahrung zum untertägischen Kalkabbau.
1942 Der Ringofen am Gasthof Seidewitztal brennt ab.
1946 Der Eigentümer Paul Friese und der Sprengmeister verunglücken tötlich bei Sprengung mit einer Panzermine. Am 1.7. erfolgt die Überführung des Kalkwerkes Borna durch Volksentscheid in Volkseigentum. Ab 1946 bis 1958 wird zeitweise der Kalkstein Untertage abgebaut.
1964 1960 wird durch die Plankommision in Berlin der Bau eines neuen Kalkwerkes beschlossen. 1964 erfolgt die Schlüsselübergabe mit einer Investitionssumme von 17,58 Mio Mark. Die höchste Produktionsmenge des neuen Werkes liegt bei 136 Tt/a.
1967 Die alten Öfen 1 bis 4 werden abgerissen.
1969 Das Kalkwerk Nentmannsdorf wird verstaatlicht und Betriebsteil des Kalkwerk Borna.
1971 Die Produktion in Nentmannsdorf wird eingestellt.
1991 Neben Baukalk wird auch Kalksteinmehl (Füller) und Mineralgemisch hergestell.
1999 Die gesamte Produktion wird eingestellt.
2000 Die Produktionsanlage wird komplett abgerissen.